Ein bewaffnetes Volk ist ein sicheres Volk
March 23rd, 2009Die Massaker von Mumbai waren die wahrscheinlich schlimmsten Terror-Anschläge islamischer Terroristen seit den Anschlägen vom 11.September 2001.
Eine kleine Handvoll mittelmaessig ausgebildeter und ausgerüsteter, aber bis zum letzten Atemzug motivierter Täter, die mit nicht mehr als AK47-Sturmgewehren und ein paar Handgranaten bewaffnet waren, haben es geschafft, über 500 Menschen zu töten und zu verletzen. Es war eine grausame Tat, die uns einmal mehr gezeigt hat, wie verwundbar unsere Städte gegenüber motivierten und organisierten Gewalttätern und Terroristen sind.
Bei genauerer Betrachtung drängen sich einige Beobachtungen auf:
Erstens: Die Polizei in Mumbai war nicht in der Lage, die Massaker zu verhindern. Sie war weder entsprechend organisiert, noch war sie rechtzeitig zur Stelle, um der Lage früh genug Herr zu werden. Trotz des heroischen Einsatzes (den viele Beamte mit dem Leben bezahlten), konnte insgesamt nicht früh genug reagiert werden, um die feigen Mörder zu stoppen. Dies ist eine interessante Parallele zu allen bekannten Vorfällen, wo wenige oder einzelne Täter eine größere Menge Menschen umgebracht haben. Es sei an dieser Stelle nur erinnert an das Schulmassaker von Erfurt (23 Opfer), das Schulmassaker an der Columbine High School (37 Opfer), das Massaker von Dunblane (32 Opfer) und das Westroad Mall Massaker (12 Opfer). Alle diese Beispiele haben eins gemeinsam: Die Polizei und andere Sicherheitskräfte waren nicht rechtzeitig zur Stelle, um die Gräueltaten zu verhindern.
Zweitens: Den Opfern war es nicht möglich, legal Schusswaffe zu ihrer Verteidigung zu tragen. Indien hat eine der striktesten Waffengesetzgebungen der Welt. Sie geht zurück auf das Indische Waffengesetz von 1878, mit dem England die damalige Kolonie Indien in Schach halten wollte. In Deutschland ist es keinem Normal-Bürger erlaubt, in der Öffentlichkeit Schusswaffen zu tragen. Auch unsere Waffengesetzgebung geht auf eine totalitäre Zeit zurück, nämlich die Waffengesetze Nazi-Deutschlands von 1933 und 1938, die die Entwaffnung der Bevölkerung zum Ziel hatten. Auch die Attentate und Massaker in den Vereinigten Staaten (Columbine High School, Westroad Mall, Virginia Tech) sind nicht an Orten verübt worden, wo das liberale US-amerikanische Waffentragerecht es den Bürgern erlaubt hätte, sich zu verteidigen. Sie wurden in in so genannten „gun free zones“ verübt, also Zonen, in denen der Inhaber des Hausrechts es allen Besuchern verbieten kann, Schusswaffen zu tragen, auch wenn diese im Besitz einer Lizenz sind.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass Verrückte und Terroristen lieber einen Massenmord im Schießbuden-Stil haben, als Opfer, die zurückschiessen können. Wer wird schon gern bei der Arbeit unterbrochen ?
Betrachtet man diese Punkte genauer, fällt insbesondere auf, wie auswechselbar die Tatorte sind. Es gibt keinen besonderen Grund, warum Anschläge wie in Mumbai nicht auch in Berlin, London oder Paris in ähnlicher Weise ablaufen könnten. Alle Umstände, die Mumbai ermöglicht haben, existieren so oder ähnlich in fast allen westlichen Ländern:
- Die Polizei kann nicht früh genug reagieren, um die Gewalttaten zu verhindern. Wir können nicht jedem Bürger einen Polizisten an die Seite stellen, das ist schlicht zu teuer. Zusätzlich zu den immensen Kosten käme noch der Verlust an bürgerlichen Freiheiten, die mit einer massiven Ausdehnung der Polizei-Arbeit fast unweigerlich einher gehen würden. Außerdem würden viele Bürger die Atmosphäre in einer derart geschützten Stadt sicherlich bedrückend finden, täglich Hunderte Polizisten zu sehen, schwer bewaffnet, eventuell noch mit gepanzerten Fahrzeugen in den Straßen und Scharfschützen auf den Dächern.
- Wir haben keine bessere juristische Abschreckung vor verrückten Massenmördern oder islamischen Terroristen als Indien. Schon per Definition stören sich weder Verrückte noch Jihadisten an unseren Gesetze, sonst würden sie gar nicht erst versuchen, Menschen zu ermorden. Außerdem steht der Plan zum Selbstmord nach vollbrachtem Massenmord sicherlich in vielen Fällen von Vornherein fest, zumindest bei Jihadisten. Dass hier eine lebenslange Gefängnis-Strafe keine Abschreckung ist, liegt auf der Hand.
- Alle oder zumindest die überwältigende Mehrzahl der normalen Bürger sind auch bei uns unbewaffnet. In den westlichen Ländern ist dies keine private Entscheidung der einzelnen Bürger, sondern staatlicher Zwang. In Deutschland ist es beispielsweise nur Angehörigen von Behörden (Bundeswehr, Polizei, Zoll etc.) und einigen wenigen Privatpersonen (Mitarbeiter von bestimmten Sicherheitsfirmen) erlaubt, in der Öffentlichkeit Schusswaffen zu führen. Zwar ist es unter bestimmten Umständen für Sportschuetzen, Jäger und Sammler möglich, Schusswaffen zu erwerben und (stark eingeschränkt) auch zu transportieren, das Führen in der Öffentlichkeit ist allerdings durchweg für Privatpersonen verboten.
Es würde einer kleinen Gruppe von Terroristen wahrscheinlich nicht schwieriger fallen, 100 Menschen im Forum-Hotel am Berliner Alexanderplatz zu ermorden, als es der Gruppe im Mumbaier Taj Mahal Palace Hotel gefallen ist.
Vielen Bundesbürgern würde die Vorstellung einer bewaffneten Gesellschaft sicherlich Angst machen. Zumindest teilweise kommt unsere Angst sicherlich von einem Blick in die USA. Oder ist das nicht eher der Blick in den Fernseher und auf unsere allgemeine Vorstellung von den USA ?
Es ist eine Tatsache, dass es US-Bürgern erst seit etwa einer Generation erlaubt es, ist der Öffentlichkeit (verdeckt) Waffen zu führen. Vor den ‘right to carry’ Reformen in den meisten Bundesstaaten durften US-Bürger zwar Waffen besitzen, außerhalb ihres eigenen Grund und Bodens führen durften sie diese aber nicht.
Gegner dieser Reformen haben regelrechte Schreckens-Szenarien vorhergesagt, von Wild-West-Zuständen gesprochen, von Kneipen-Streitigkeiten, die mit Schusswaffen statt mit Fäusten ausgetragen würden und von Blutbächen in den Straßen. Nichts von all dem ist eingetreten. Die Zahl von Gewaltverbrechen sind stark zurück gegangen. Die Staaten mit liberalem Waffenrecht sind sicherer geworden, während mittlerweile die unsichersten Gegenden in den USA die großen Städte sind, die ihren Bürgern noch das Recht, Waffen zu tragen, verweigern. Dazu zählen vor allem New York, Washington D.C. und Chicago.
Wer denkt, etwas Derartiges würde ich Deutschland niemals funktionieren, dürfte falsch liegen. Vor der Zeit der Weimarer Republik gab es in Deutschland keine schweren Einschränkungen, was den Besitz und das Führen von Schusswaffen anging. Während der Zeit des Deutschen Kaiserreichs beispielsweise gab es für Privatpersonen lediglich die Einschränkung, dass Schusswaffen nicht bei ‘Versammlungen und öffentlichen Umzügen’ zu führen seien. Weder sind aus dieser Zeit terroristische Anschläge bekannt, noch waren Schulmassaker damals an der Tagesordnung.
Hätte Indien heutzutage eine derart liberale Gesetzeslage oder zumindest ein ‘right to carry’ nach US-amerikanischem Vorbild, der Verlauf des Massakers von Mumbai hätte sehr anders sein können. Hätte nur ein Dutzend der anwesenden Gäste eine Pistole geführt, hätten diese nicht nur sich selbst und ihre Familien vor den Terroristen schützen können, sondern unter Umständen auch viele andere Gäste.
Das Massaker hätte wahrscheinlich nicht vollständig verhindert werden können, aber die Zahl der Opfer wäre mit Sicherheit sehr viel niedriger gewesen, weil den Attentätern sehr viel früher die Initiative und die Zeit zu Handeln hätte genommen werden können.
Ein Land, in dem geistig und körperlich geeignete, unbescholtene Bürger mit der notwendigen Ausbildung verdeckt Schusswaffen führen können und diese in Notwehr verwenden dürfen, wäre sicherlich sehr viel sicherer vor einem Anschlag nach dem Vorbild von Mumbai.
Ein entwaffnetes Volk ist unfrei und in seinem Schutz von Dritten abhängig. Es ist an der Zeit, dass wir als Bürger für unsere eigene Sicherheit ein Stück weit selbst verantwortlich werden und dafür sorgen, dass Massenmörder und Terroristen es bei uns schwieriger haben als es in Indien der Fall war.
Hinweis: Die Idee und grundlegende Argumentation fuer diesen Artikel stammt nicht von mir, sondern aus einem Artikel von Richard Munday auf TimesOnline: http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/article5299010.ece
















